Broschen

Bezeichnenderweise nicht in Deutschland, aber überall sonst auf der Welt, war bekannt, dass die US-amerikanische Außenministerin Madeleine Albright, bei offiziellen Anlässen, und insbesondere bei Verhandlungen, auffällige Broschen trug, durch die sie ihren Verhandlungspartnern inoffizielle Signale sendete, deren Erwähnung innerhalb diplomatischer Gepflogenheiten weder opportun noch protokollgerecht gewesen wäre.

Sie kommentierte auf diese Art, dass Verhandlungen zu langsam fortschreiten (Schildkröte), oder in die falsche Richtung gehen (Krebs). Bei welchem Anlass eine Panzerfaust eingesetzt wurde, die sie als Geschenk für ihre inzwischen berühmt gewordene Sammlung erhielt, ist unbekannt.

Bei einem Treffen mit ihrem russischen Amtskollegen, Igor Ivanov, mit dem sie freundschaftlich verbunden war, trug sie eine Wanze. Sie wollte das Thema der Bespitzelung der amerikanischen Botschaft in Moskau nicht direkt ansprechen, es aber doch auch nicht unerwähnt und unbemerkt lassen. Ivanov war nicht direkt für die Bespitzelung und das Abhören der Botschaft verantwortlich, aber musste ihre Missbilligung zur Kenntnis nehmen.

In Anlehnung an die Sprachwendung “Read my lips”, was so viel bedeutet wie „ich meine, was ich sage”, veröffentlichte Albright ein Buch mit dem Titel “Read My Pins“: Ihre Broschen drückten aus, was sie tatsächlich empfand und mitteilen wollte.